Der österreichische Fahrradhersteller Simplon ist insolvent. Wie in unserem Bericht "Der grosse Ausverkauf..." im Mai bereits geschildert, haben verschiedene Faktoren dazu geführt, dass zahlreiche Radhersteller mit der aktuellen Marktsituation zu kämpfen haben. Bei Simplon manifestiert sich nun die Marktschwierigkeit. Doch Simplon will mit einer Sanierung raus aus der Krise.
Seit kurzem ist bekannt, dass der renommierte Fahrradhersteller Simplon aus Österreich insolvent ist. Das Unternehmen hat bei Gericht Insolvenz beantragt und ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung, das dem Unternehmen die Möglichkeit gibt, unter Aufsicht weiter zu produzieren und die Krise zu überwinden.
In einer Pressemeldung wurde öffentlich gemacht, dass Simplon angeblich Verbindlichkeiten in Höhe von 44,5 Millionen Euro nachkommen müsse. Dem gegenüber stehen Aktiva von nur 33,2 Millionen Euro. Innerhalb der nächsten zwei Jahre will und muss Simplon 30 Prozent der Schulden zurückzahlen. Das sind die gesetzlichen Bestimmungen in Österreich. Dabei untersteht das Unternehmen natürlich unter einer gewissen Aufsicht, welche die Interessen der Gläubiger schützt. Bei Erreichen der Zahlungsquote von 30% steht dann andererseits eine Restschuldbefreiung in Aussicht.
Das Unternehmen in Hard liegt am Bodensee in unmittelbarer Nähe der Schweizer Grenze im Bundesland Vorarlberg mitten im Länderdreieck Deutschland – Österreich – Schweiz und blickt auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück. 1928 hatte damals Josef Hämmerle in Lustenau den Grundstein des Unternehmens gelegt, auch wenn er zuerst mit dem Verkauf von Fotoapparaten und Grammophonen startete. Vier Jahre später nahm er Fahrräder in sein Sortiment auf und verlagert den Sitz des Geschäfts nach Hard. 1952 wird aus dem Fahrrad-Handel eine Manufaktur. Unter dem Namen „Falke“ fertigen Josef und sein Sohn Kurt Hämmerle die ersten individuellen Räder an. Fahrräder „made in Switzerland“ gelten zu jener Zeit als qualitativ überlegen. Um die Abwanderung der Kunden zu verhindern, entwickeln Josef und Kurt Hämmerle eigene Qualitäts-Fahrräder mit hochwertigen Komponenten. Von Anfang an können Kunden ihr Wunschrad individuell zusammenstellen. 1961 wird die Firma unter dem Markennamen „SIMPLON“ gegründet. Pate steht der Simplon-Gebirgspass im Schweizer Kanton Wallis. Heute arbeiten 155 Mitarbeiter für das Unternehmen in Österreich und das soll auch so bleiben.
Das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung ist eine ausgezeichnete Chance, das Unternehmen zu retten und Simplon hat gute Chancen, wieder aus der Krise zu kommen, doch die massiven Veränderungen des Kaufverhaltens der Konsumenten sind für sämtliche Akteure nicht nur im internationalen Fahrradmarkt eine grosse Herausforderung auch in Zukunft. Die starken Änderungen im Markt müssen ab sofort penibel verfolgt werden und darauf muss Simplon aber auch andere Hersteller und Händler schnell reagieren, will man nicht in die Krise geraten oder sogar untergehen.