Ein neues Fortbewegungsmittel erobert den Markt

 

Die Wirkung des E-Bikes
Wer kennt das nicht, Fahrradfahren macht immer so lange Spass, als es bergab oder geradeaus geht. Sobald es aufwärts geht oder ein starker Gegenwind bläst, kommt man nicht mehr vom Fleck und strampelt sich fast zu Tode. Aus dem zweirädrigen Spass wird ein schweisstreibender Frust, bis man es sein lässt.

Mit dem E-Bike ist nun Schluss mit dem Frust und die Spasszone weitet sich aus. Wo die eigene Muskelkraft an ihre Grenzen stösst, unterstützt beim E-Bike der Elektromotor den Fahrer. Das „E“ beim E-Bike steht für „Elektro“ und meint Biken mit Unterstützung eines Elektromotors. Gleich ob man am Hang steht, vor der Ampel in der Stadt oder dem See entlang gegen den Wind fährt, der Elektromotor leistet spürbare Unterstützung, schiebt Bike und Fahrer weiter an und es geht plötzlich ring den Hang hinauf, bei der Ampel los und dem See bei Gegenwind entlang. Trotz Gegenkräfte hört der Spass nicht auf und das ist auch der Grund der wachsenden Beliebtheit von E-Bikes. Der Begriff E-Bike Dabei verstehen wir in der Schweiz unter dem Begriff „E-Bike“ im Allgemeinen ein Fahrrad mit zusätzlicher Motorenunterstützung mittels angebauten Elektromotors, die einsetzt, sobald man die Pedale tritt. Auch der Begriff Elektrorad oder Elektrovelo wird dafür verwendet. Aus dem Ausland dringen aktuell immer differenziertere Begriffe zu uns. E-Bike wird heute als Überbegriff für alle mit Elektromotor betriebenen oder unterstützten Zweiräder verstanden. Fahrräder, bei denen erst durch das Treten der Pedale der Elektromotor einsetzt, werden als „Pedelec“ (Pedal Electric Cycle) bezeichnet. Für Pedelecs mit Motorenunterstützung bis 45 km/h und schneller hat man sogar den Begriff „Speed Pedelec“ geschaffen. Unter dem Begriff E-Bike werden auch Scooter, Roller, Mofas und Motorräder mit Elektromotor verstanden, bei welchem man nicht pedalieren kann oder muss. In der Schweiz versteht man unter dem Begriff „E-Bike” in der Regel ein Pedelec, doch mit der fortschreitenden Änderungen des Marktes ändert sich auch die Verwendung des Begriffes.

Die Bestandteile
Das E-Bike (Pedelec) besteht zum einen aus dem Fahrrad und zum anderen aus den Komponenten des Elektroantriebes, dazu gehören der Elektromotor, der Akkumulator (Akku) und das Display mit der Steuerungselektronik. Was der „Tank“ bei Benzinmotoren ist, das ist der Akku bei Elektromotoren. Er speichert die elektrische Energie bzw. den Strom, der für den Motorenbetrieb benötigt wird. Die Motorensteuerung erfolgt in der Regel durch Bedienung des Displays. Hier stellt man den Unterstützungsgrad des Motors in Stufen ein, die bei waagrechter Fahrt in der Regel eine Unterstützung von 20-300% der Fahrerleistung erzeugen. Gleichzeitig zeigt einem das Display die Geschwindigkeit beim Fahren an, die Stromreserve des Akkus, usw.

Umrüsten oder neu kaufen
Vor ein paar Jahren ist mit BionX ein wirkungsvoller Auf- bzw. Umrüstkit auf den Markt gekommen, der es ermöglicht, das bestehende Fahrrad in ein Elektrofahrrad zu „verwandeln”. Der Umrüstkit besteht aus Rad mit Nabenmotor, Akku und Motorensteuerung und muss vom Fachhandel montiert werden. Seit dem Erfolg von BionX haben sich weitere Anbieter auf dem Markt bemerkbar gemacht. Die Vorteile des Umrüstkits liegen auf der Hand: man muss nicht ein zweites und neues Bike kaufen, spart sich damit Geld und hat evtl. ein leichteres E-Bike als die anderen, vorausgesetzt man hat ein sehr leichtes Fahrrad aufgerüstet.

Aber auch die Nachteile sind abzuwägen: Der Umrüstkit ist nicht für alle Bikes anwendbar, mag optisch nicht immer zu überzeugen und ist mit den anderen Komponenten des Bikes nicht harmonisch abgestimmt. Allenfalls sind die Bremsen zu schwach, die Gewichtsverteilung unglücklich. Hier ist guter Rat vom Fachmann sinnvoll. Zudem sind neue E-Bikes aktuelle so günstig wie nie, daher muss man sich auch kostenmässig überlegen, ob es nicht ökonomischer ist, ein neues E-Bike zu kaufen.

Tempo 25 km/h, 45 km/h, unlimitiert
Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen und der technischen Möglichkeiten produzieren die Hersteller E-Bikes mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Das bedeutet, dass die Elektromotoren bis zum festgelegten Tempo unterstützen, aber nicht weiter, den Rest muss man alleine mit der Muskelkraft erstrampeln. In der Schweiz gibt es vor allem E-Bikes mit einer Motorenunterstützung bis 25 km/h und 45 km/h, ein paar ganz wenige Ausnahmen haben keine Beschränkung, gelten aber unter diesen Voraussetzungen auch als Kleinmotorrad bzw. Motorrad.

Gesetze & Verordnungen
Die Ähnlichkeiten zwischen E-Bikes und Mofas, was ihre Geschwindigkeit betrifft, und deren unterschiedliche gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Helmpflicht, Versicherungsschutz, usw. hat 2011 zu einer parlamentarischen Diskussion geführt, die 2012 zu konkreten Gesetzesänderungen und zur Anpassung an die Realität geführt haben. 2012 wurden Helmpflicht für Speed-Pedelecs eingeführt, nebst Ausweispflicht, Rückspiegel- und Kontrollschild-Obligatorium. 2015 steht eine weitere Anpassung der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS) bevor, denn die gesetzlichen Verordnungen halten kaum mit der rasanten Weiterentwicklung der Fahrzeuge mit. Noch heute fehlt die Fahrzeugkategorie E-Bike als eigenständige Fahrzeugkategorie, obwohl der Anteil in der Schweiz so gross ist, dass es gerechtfertigt wäre, dass eine solche Terminologie in den gesetzlichen Verordnungen Einzug halten würde. Es wird spannend sein, diese laufenden Anpassungen zu verfolgen.

Eigenheiten des E-Bikes
Häufig zeigen E-Bikes beim ersten Pedaldruck vor dem Einsetzen des Motors einen kurzen Anfangswiderstand von nicht mal einer Sekunde und eine Art Motorenbremsen, wenn man über die unterstützte Geschwindigkeit hinaus gerät. Das sind zwar keine eigentliche Nachteile, aber typische Merkmale, wie man sie heute noch bei vielen E-Bikes gerne antrifft.

Die Vorteile, der Nutzen
Das E-Bike erweitert die persönlichen Grenzen und den bestehenden Fahrradius. Weitere Distanzen sind plötzlich möglich, Steigungen zu überwinden, ist plötzlich kein Problem mehr, eine Tour ein Kinderspiel, ja ein Vergnügen. Was vorher nur trainierten Bikern vorbehalten war, kann man als ganz normaler Radfahrer mit dem E-Bike nun auch. Neue Welten, ja neue Radwelten werden entdeckt, ohne Schweiss und mit purem Fun am Biken. Der Fahrkomfort ist dadurch erhöht und damit auch die Fahrfreude. Da wird selbst ein kategorischer Velohasser zum Bikeliebhaber.

Das Tolle an E-Bikes ist zudem, dass man das Fahren von E-Bikes nicht erst mühsam erlernen muss wie z.B. das Motorradfahren. Wer Velofahren kann, kann auch ein E-Bike fahren, das ist keine Hexerei. Man muss keine Prüfungen ablegen, sondern geht in den Laden, kauft oder mietet sich ein E-Bike und los geht die Reise.

Weiter glänzen E-Bikes mit einer relativ einfachen Handhabung. Nach einer kurzen Erklärung zur Bedienung des Displays und der Handhabung des Akkus kann’s losgehen. Aufgestiegen, kurz in die Pedale getreten und die Motorenunterstützung setzt automatisch ein, das ist Komfort. Der Elektromotor verursacht keinen Lärm und keine unmittelbare Umweltverschmutzung, denn er ist völlig abgasfrei, weshalb die E-Bikes gerne auch mit ökologischem, politisch „grünen” Verhalten verbunden werden. Wie die Ökobilanz zwischen Elektromotor und Verbrennungsmotor aber wirklich aussieht, vermag wahrscheinlich kaum jemand zu beurteilen; bei den Automobilen (Benziner – E-Autos) sprechen Fachleute von einer ausgeglichenen Bilanz. Es fragt sich aber immer, für welche politische Richtung solche Fachleute arbeiten. Ich möchte deshalb zum Thema „Elektrobike bzw. -motor, ökologisch oder nicht” keine Diskussion führen.

Die Nachteile, die Gefahren
Wehe dem, der mit einem E-Bike auf der Strecke ohne Strom stehen bleibt und ohne Unterstützung des Elektromotors weiter biken muss, der wird fluchen. Vor allem deswegen weil E-Bikes dank ihres zusätzlichen Motors in der Regel noch einiges schwerer sind (anno 2012 normalerweise 7-10 kg schwerer, 2014 ein wenig besser) als normale Fahrräder.

Noch kommen nicht alle Kunden gleich zum Zuge. Die E-Bikes haben sich als Fortbewegungsmittel erst etablieren müssen und sind mitten in der Entwicklung. Entsprechend gibt es nicht für alle Fahrradkategorien gleichviel Angebote. Vor allem bei den sportlichen Bikes (Mountainbikes und Rennräder) und den Funbikes gibt es noch weniger Angebote. Zuerst hatte man für eine ältere Bevölkerungsschicht E-Bikes im klassischen Stil konstruiert, nun treten immer mehr junge Käuferschichten auf den Plan, die andere Bikesegmente bevorzugen.

Es droht auch die Gefahr der Selbstüberschätzung und der Überforderung. Eine Oma, die normalerweise mit 8 km/h durch die Gegend gondelt, ist mit einem Gefährt zwischen 25 – 45 km/h schnell einmal überfordert, denn so eine Geschwindigkeit will auch beherrscht sein.

Wer mit einem normalen Mountainbike kaum Geländeerfahrung hat, weil es zu strapaziös ist, kennt das Fahrverhalten im Gelände nicht. Wenn man plötzlich alleine des E-Motor-Zusatzes wegen ins Gelände geht, kann man auch bald einmal an seine fahrerischen Grenzen geraten. Man behindert und gefährdet unter anderem sich selbst und andere. Konflikt ist vorprogrammiert.

Der Mehrspass überwiegt aber eindeutig die Gefahren und deshalb entscheiden sich immer mehr Leute dazu, sich ein E-Bike anzuschaffen.